Vor etwa tausend Jahren hab ich mal Literaturwissenschaften an der Uni gemacht, das war gar nicht so schlecht weil die da den grundlegenden Ansatz “Der Autor ist tot” hatten. Bis heute finde ich das oft auch als meine unterliegende Philosophie, an Kunst heranzugehen, wieder. Ich wünsche mir nicht dass Autoren sterben um gut zu sein, aber gerade weil das nicht-in-Betracht-ziehen der Umstände des Autors eine Art ideologische Reinigung oder Nihilisierung des Werkes ist: wahrscheinlich die höchste Stufe gesellschaftlicher Verarbeitung mit Vorraussetzung des Nichtvergessens. Natürlich ist das Werk immernoch Scheisse wenn es Scheisse ist.
Warum ich das hier schreibe? Nach einer längeren Kette der Diskussion, die hier gerade aufkam weil wir angefangen haben Iceage zu buchen und die Band auf irgendwelchen Photos Burzum Aufnäher trägt (habe ich selbst nie gesehn) oder angeblich sonstige Anhaltspunkte die in der Vergangenheit von bekloppten psycho (Neo)Nazis verwendet wurden, bei der Band auftauchen.
Dass die Kids von Iceage irgendwelche Aufnäher tragen, dass Pitchfork die Band mag und sie deshalb ‘dann doch keine Neonazis’ sein können, und dass die linke Szene gern naiv ‘korrekt’ ist – ist mir persönlich scheiss egal. Für mich sind die alle in diesem Zusammenhang tote Autoren, vor allem Iceage, weil wir die Musik mögen und wir kein Neonazitum darin entdecken können. Falls doch irgendwann, wissen wir was zu tun ist.
Grinni